Rauchen
Rauchen

Aussprache: tadchiynut-tabghi
arabisch:
تدخين التبغ
persisch:
کشیدن
englisch: Smoking

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Mit Rauchen wird in der Regel das Rauchen von Tabak bezeichnet.

Rauchen ist ein Inhalieren von Tabakrauch, der durch das Verbrennen von tabakhaltigen Artikeln (z.B. Zigaretten, Zigarillos, Zigarren, Schischa) entsteht. Dadurch bessert sich scheinbar die Befindlichkeit des süchtigen Rauchers, was durch die Nikotinaufnahme und die damit befriedigte Nikotinsucht zustande kommt.

Unter muslimischen Gelehrten gibt es geringfügig unterschiedliche Auffassungen zum Rauchen. Während es einige als verpönt [makruh] einstufen, gibt es immer mehr, die es als verboten [haram] werten:

Imam Chamenei hatte das Rauchen für den bereits Nikotinabhängigen einstmals als verpönt [makruh] eingestuft, erachtete aber den Neuanfang des Rauchens als verboten [haram]. Inzwischen hat er sein Rechtsurteil [fatwa] ergänzt in dem Sinn, dass

Rauchen ist verboten [haram] ist, falls es einen erheblichen Schaden verursacht oder nachweislich gesundheitsschädlich ist. Da der Schaden von Tabak inzwischen medizinisch anerkannt und unstrittig ist, wird Rauchen damit praktisch als verboten [haram] eingestuft.

Ayatollah Nasir Makarim Schirazi urteilt, dass alles, was dem Körper ernsthaft schadet, als verboten [haram] einzustufen ist und wendet das Verbot [haram] daher auch auf Zigaretten an.

Ayatollah Husain Wahid Chorasani bezeichnet Rauchen als verboten [haram], falls es einen signifikanten Schaden verursacht. Angesichts der heutigen medizinischen Erkenntnisse folgt daraus, dass es verboten [haram] ist. Ayatollah Golpayegani vertrat zu Lebzeiten eine ähnliche Position und hat ausdrücklich vor Tabakkonsum gewarnt.

Gemäß Ayatollah Ali Sistani ist Rauchen verboten [haram], falls es dem Körper erheblichen Schaden zufügt oder zur Abhängigkeit führt, was bei regelmäßigem Konsum grundsätzlich der Fall ist. Ohne nachgewiesenen schweren Schaden stuf er es als verpönt [makruh] ein.

Alle genannten Rechtsurteile [fatwa] beruhen auf dem anerkannten Prinzip:

لا ضرر ولا ضرار في الإسلام
„Es gibt keinen Schaden und keine Schädigung im Islam.“

Sobald ein Verhalten nachweislich schädlich ist, kann es verboten [haram] werden, selbst auch wenn es früher erlaubt oder nur verpönt war. Alle Gelehrten [faqih] sind sich darin einig, dass eine Sucht als Schaden zu werten ist. Auch die Mehrheit der zeitgenössischen sunnitischen Gelehrten [faqih] stufen Rauchen als verboten [haram] ein.

Rauchen verursacht nach dem Stand des heutigen Wissens schwere, gut belegte Schäden, erhöht Sterblichkeit und  erhebliche Krankheitslast und führt bei regelmäßigem Konsum immer zu Suchtabhängigkeit. Rauchen gilt medizinisch als einer der vermeidbarsten Gesundheitsrisikofaktoren.

Als zZentrale gesundheitliche Schäden gelten:

  1. Krebs
    Stark erhöhtes Risiko für Lungenkrebs (Hauptursache)
    Zusätzlich: Krebs von Mund, Rachen, Kehlkopf, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Blase u.a.
  2. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    Arteriosklerose (Gefäßverkalkung)
    Herzinfarkt und Schlaganfall
    Erhöhter Blutdruck, verminderte Sauerstoffversorgung
  3. Lungenerkrankungen
    Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
    Chronische Bronchitis, Emphysem
    Deutlich reduzierte Lungenfunktion und Belastbarkeit
  4. Abhängigkeit/Sucht
    Nikotinabhängigkeit (stark suchterzeugend)
    Entzugserscheinungen: Reizbarkeit, Unruhe, Konzentrationsstörungen
  5. Weitere Schäden
    Geschwächtes Immunsystem
    Schlechtere Wundheilung
    Zahn- und Zahnfleischerkrankungen
    Erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2
    Verkürzte Lebenserwartung

Für Jugendliche ist Rauchen besonders gefährlich, da sich Körper und Gehirn noch in der Entwicklung befinden. Die Risiken sind schwerwiegender und langfristiger als bei Erwachsenen. Als besondere Gefährdungen für Jugendliche gelten:

  1. Schnelle und starke Abhängigkeit
    Das jugendliche Gehirn ist besonders empfindlich für Nikotin.
    Abhängigkeit entsteht schneller und ist oft stärker und langlebiger.
    Höheres Risiko für lebenslanges Rauchen.
  2. Beeinträchtigte Gehirnentwicklung
    Störung der Reifung von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Impulskontrolle.
    Erhöhtes Risiko für Konzentrationsstörungen, Angst und depressive Symptome.
    Erhöhte Anfälligkeit für andere Süchte (sog. „Gateway-Effekt“).
  3. Wachstums- und Lungenentwicklung
    Hemmung des Lungenwachstums. Daraus folgt dauerhaft reduzierte Lungenkapazität.
    Frühere Entwicklung von Atemwegserkrankungen.
    Geringere körperliche Leistungsfähigkeit; auch im Sexualbereich.
  4. Herz-Kreislauf-Frühschäden
    Frühzeitige Gefäßschädigungen und erhöhter Blutdruck.
    Langfristig höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter.
  5. Psychosoziale Folgen
    Höhere Wahrscheinlichkeit für Risikoverhalten.
    Negative Effekte auf Schulleistung und soziale Entwicklung.
    Stärkere Bindung an rauchende Peer-Gruppen.

Zudem bewirken Raucher oft ein Passivrauchen anderer und damit und Schadstoffeffekte auf andere, was wiederum im Islam zusätzlich verboten ist.

Unter Berücksichtigung aller genannter Aspekte gilt Rauchen heutzutage faktisch als verboten [haram] im Islam. Wenn Einzelmeinungen es dennoch nur für verpönt [makruh] einstufen, dann vor allem dafür, um Rauchern den Rückweg zu rauchfrei“ zu erleichtern, ohne als öffentlicher Sünder gebrandmarkt zu werden.

Es gibt aber keinen einzigen Gelehrten [faqih], der Rauchen als indifferent [mubah] einstuft.

Zum Rauch in weitesten Sinn gehört auch der Tabak- bzw. Tikotinkonsum in anderen Formen wie z.B. Snus, Tabak- und Nikotinbeutel, E-Zigaretten/Vapes, Pod-Systeme, E-Schishas und vieles andere mehr.

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