Ibrahim Hadi

Friede sei mit Ibrahim

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Friede sei mit Ibrahim

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Der 17. Schahrivar (Erzähler: Amir Monjar)

Es war der Morgen des 17. Sharivars. Ich holte Ibrahim ab und wir fuhren mit dem Motorrad zu derselben religiösen Sitzung am Jale-Platz (der auch "Schohada" genannt wurde). Als die Sitzung beendet war, war der Lärm draußen nicht mehr zu überhören. Um Mitternacht wurde dann der Ausnahmezustand angekündigt, aber die meisten Menschen wussten nichts davon. Eine Vielzahl von Soldaten und Polizisten waren rund um den Platz herum stationiert. Eine sehr große Menge von Menschen bewegte sich in Richtung des Platzes. Die Polizisten forderten sie mit Lautsprechern auf, sich zu verteilen. Ibrahim verließ die Sitzung, doch unmittelbar danach kehrte er zurück und sagte: "Amir! Komm, sieh was hier alles vor sich geht!"

Ich ging heraus und sah wie die Menschen von allen Seiten in Richtung des Platzes stürmten. Sie riefen “Gruß an Khomeini“ und "Nieder mit Schah". Einige behaupteten, dass die Sawakis den Platz von vier Seiten umzingelt hätten und, und...

Momente später ereignete sich etwas, was nur wenige glauben konnten. Aus allen Richtungen wurde das Feuer eröffnet, selbst vom Hubschrauber aus, der über dem Platz kreiste, wurde geschossen.

Ich holte schnell mein Motorrad und fand einen Ausweg, eine kleine Gasse in der kein Polizist zu sehen war. Ibrahim brachte rasch einen der Verletzten und zusammen fuhren wir zum "Dritte Schaaban" Krankenhaus. Schnell kehrten wir wieder zurück. Bis gegen Mittag fuhren wir acht mal zum Krankenhaus. Immer wieder brachten wir Verletzte dorthin und fuhren zurück. Ibrahims Körper war mit Blut besudelt. Einer der Verletzten lag in der Nähe einer Tankstelle auf dem Boden. Die Polizisten blickten genau in diese Richtung. Niemand wagte sich ihn aufzunehmen. Nur Ibrahim war bereit dem Verletzten zu helfen. Ich wollte ihn davon abhalten und sagte: "Sie benutzen die Verletzten, um uns in eine Falle zu locken. Sie werden dich erschießen. Ibrahim blickte mich an und sagte: "Wenn es dein eigener Bruder wäre, hättest du auch so etwas gesagt?" Eine Antwort wusste ich nicht zu geben und sagte nur, dass er äußerst vorsichtig seien soll.

Die Schüsse wurden weniger, anscheinend hatten die Polizisten sich ein Stück zurückgezogen. Ibrahim kroch schnell zur Tankstelle und legte sich neben den Verletzten, nahm dessen Arm und zog ihn auf seinen Rücken dann kehrte er kriechend wieder zurück. Er zeigte hier wieder einmal eine außergewöhnliche Kühnheit.

Mithilfe einer anderen Person setzte er den Verletzten auf mein Motorrad und ich fuhr los. Auf dem Rückweg war die Gasse von der Polizei abgesperrt worden. Der Ausnahmezustand wurde verstärkt und ich konnte Ibrahim nicht mehr finden. Daraufhin fuhr ich nur mit Mühe und Not nach Hause.

Am Nachmittag ging ich zu Ibrahims Wohnung. Seine Mutter war sehr besorgt. Niemand wusste, wo er war und in welchem Zustand er sich befand. Gegen Mitternacht kam Ibrahim endlich nach Hause. Ich freute mich riesig. Er hatte es wieder geschafft zu fliehen. Am anderen Morgen nahmen wir an der Beerdigung der Märtyrer auf dem "Behescht Zahra" Friedhof teil und halfen dort wo Hilfe gebraucht wurde. Nach dem 17. Schahriwar wurde jeden Abend bei einem unserer Freunde eine Sitzung arrangiert, wo wir unsere weiteren Pläne besprachen. Eine Zeit lang fanden diese Sitzungen auf dem Dach des Hauses von Ibrahim statt. Es wurde über alles gesprochen, vor allem über religiöse Überzeugungen und aktuelle politische Fragen. Solange bis sich die Nachricht verbreitete, dass Imam Khomeini nach Iran zurückkehren werde.

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