Ilchane

Geschichte der Ilchane
das ist
der Mongolen in Persien

von

Hammer-Purgstall

mit neuen Beilagen und neuen Stammtafeln

Darmstadt. Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske. 1842.

Inhaltsverzeichnis

Viertes Buch

Ende Borrak's.

Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz Ahmed Aghul, der Sohn Buri's, zog missvergnügt mit seinen Truppen nach Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: „Als ich,“ sagte er, „vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis ein Karawine (ein Naphtafeuerwerker), Namens Sali, vom Pferde stieg, mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm reichte.“ Er sandte den Bruder Jesar an Kaidu, um sich über den Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen unter dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze, weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatte Nauldar den Prinzen Ahmed Buri und Balighu den Prinzen Nikpei verfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu, dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am folgenden Tage erschienen die Prinzen Mubarekschah (der Enkel Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana), Kajan und Dschobai, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta], und liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der Frau Tukai, der Gemahlin Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: Peik Timur, Tewaburi, Tehu und Uladai; mit ihnen vereinigten sich die Söhne Alghui's, die beiden obgenannten, Dschobai und Kijan; des dem Kaidu gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend bis Bochara und bis jenseits des Oxus. Drei Jahre hernach kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter dem Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere; sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen des Turkmanen Okbal. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.

© seit 2006 - m-haditec GmbH - info@eslam.de